xt:Commerce Veyton und Magento im Vergleich
Konkurrenz belebt das Geschäft. Varien hat mit Magento die Latte im E-Commerce-Bereich auf eine neue Höhe gelegt. Für die Kunden wäre es sicher kein Nachteil, wenn sich die anderen Anbieter nun ihrerseits mit dieser Latte beschäftigen würden. Vielleicht geht es ja auch anders oder sogar noch besser.
Das stellt sich natürlich gleich die Frage ob die neue xt-Commerce Enterprise Version - auch xt:Commerce Veyton genannt - an der Latte von Magento kratzen kann? Ein erster Vergleich der beiden Shopsysteme sollte dabei erste Anhaltspunkte liefern.
Dazu eines noch vorweg: Wir sind zwar offizieller Magento-Partner, was aber nicht bedeutet, dass wir neue und interessante Produkte bzw. Produktalternativen nicht genauestens unter die Lupe nehmen und ggf. auch damit arbeiten. Insofern lasse ich Voreingenommenheit als Argument hier nicht zählen. Aber alles der Reihe nach.
Veyton- wo kommt wohl dieser Name her? Bevor wir hier mit “wilden Vermutungen” ankommen, wollen wir vielmehr nach konkreten Kriterien und messbaren Ergebnissen suchen.
Informationsmöglichkeiten
Hier hat Magento eindeutig die Nase vorn. Denn auf der Website gibt es nicht nur umfangreiche Informationen in Wort und Bild, sondern auch eine Demoversion des Front- und des Backends, in der man sich sofort, online und anonym einen Eindruck von der Anwendung verschaffen kann. All das gibt es bei xt:Commerce Veyton (bislang zumindest) nicht. Auf der Website erscheint Veyton erst unterhalb der Bildschirmkante. Nur wer scrollt, erfährt also, dass es neben xt:commerce v 3.04 noch etwas anders gibt. Auch der Demoshop zeigt diese Version.
Prominenter wird Veyton im xt:commerce-Shop dargestellt. Eine Demoversion oder weitere Informationen sucht man allerdings auch hier vergeblich. Die 14 Tage gültige Testlizenz erhält man nur nach Eingabe seiner kompletten Adressdaten und unter Angabe einer Testdomain. Das ist doch eine sehr hohe Hürde. Denn es ist ja durchaus denkbar, dass sich ein potenzieller Shopbetreiber, der die Einrichtung nicht selber vornehmen möchte, dennoch einen Eindruck von Veyton gewinnen möchte. Wird so jemand standardmäßig eine Testdomain parat haben? Wahrscheinlich nicht, meine ich.
Wozu denn diese Geheimniskrämerei? Kein vernünftiger Mensch wird die “Katze im Sack” kaufen und sich einzig auf eine Feature-Liste verlassen - zumal einige Begriffe durchaus einen weiteren Interpretationsspielraum zulassen und Screenshots oder Videos - zumindest auf den ersten Blick - nicht verfügbar sind.
Wenn man nun wirklich sehr intensiv sucht, findet man schließlich im Blog ein paar Screenshots, durch die man sich allerdings nur kommentarlos durchklicken kann, ohne zu sehen, welcher Klick zu welchem Ergebnis führt. Das Layout des Backends macht einen modernen Eindruck. Mehr kann derzeit leider nicht sagen.
Blog
Beide Anbieter betreiben einen Blog zu ihren Produkten und internen Themen. Bei xt:commerce gab es in den letzten Monaten durchschnittlich 3 Beiträge pro Monat. Dabei wird den Verpackungen, die ebenfalls von xt erhältlich sind, ziemlich viel Platz eingeräumt. Auch Partner sind mit ihren Produkten prominent vertreten. Ab und zu wird dabei die Groß- und Kleinschreibung nicht ganz Ernst genommen, sei es in den Texten der Blogbeiträge, sei es in den Antworten des Admin auf Kommentare. Natürlich kann man sich mal vertippen, aber insgesamt wirkt das alles nicht wirklich professionell. Immerhin ist der Blog aber in Deutsch verfügbar.
Bei Magento gibt es zumeist mehrere Beiträge pro Tag, aber alle in Englisch. Die Inhalte sind: Vorstellung von Referenzshops, Updates und Releases, Webinars, Veranstaltungen und Interviews, mit Texten, Bildern und Videos.
Kosten
Magento ist eine Open-Source-Anwendung, die kostenlos heruntergeladen und genutzt werden kann. Auch alle Upgrades und Bugfixes können kostenlos heruntergeladen werden. Natürlich lässt sich ein Magento-Shop nicht zum Nulltarif aufbauen, und vor allem zur Programmierung individueller Templates und Funktionen sind weitreichende, spezielle Programmierkenntnisse erforderlich. Für die Implementierung eines Magento-Shops sollte man daher tendenziell den einen oder anderen Euro mehr veranschlagen, da die Software nicht mal schnell installiert und betriebsbereit sein wird.
Für Veyton sind einmalige Lizenzkosten in Höhe von 179, 299, 499 oder 990 EUR zu entrichten, je nach Anzahl der Produkte und Subshops (=Mandanten). Dazu kommt für das erste Jahr ein obligatorischer Wartungsvertrag, der für die unterschiedlichen Versionen zwischen 4,90 und 14,90 EUR pro Monat kostet. Seltsamerweise wird über diese Wartungsverträge aber nur im Blog berichtet, nicht im Shop. Sollten die Angaben aus dem Blog veraltet sein?
Für zusätzliche Module, z.B. FAQs, Lexikon und Merkzettel müssen bei Veyton jeweils weitere 100 EUR gezahlt werden. Möglicherweise sind es auch mehr, denn auf der Übersichtsseite des Shops steht “ab 100 EUR”, im Warenkorb sind es aber exakt 100 EUR. Der Merkzettel ist als Wunschzettel bereits standardmäßig in Magento enthalten. Den Screenshots nach zu urteilen, kann man in Veyton mehrere Merkzettel führen. Wie die praktische Arbeit mit mehreren Merkzetteln erfolgt, ist leider nicht im Detail erkennbar.
Hosting
xt:commerce Veyton kann für kleine Shops auch mit Shared Hosting-Paketen betrieben werden. Was ein kleiner Shop ist, wird allerdings nicht genauer definiert. Und Shared Hosting ist auch nicht Shared Hosting. Mit den preisgünstigsten Angeboten ist auch xt:commerce nicht kompatibel, weil diese kein php anbieten.
Magento und Shared Hosting vertragen sich allerdings grundsätzlich nicht, egal wie groß oder klein der Shop ist. Hier sollte es dann schon eine “eigene Maschine” sein.
Produktarten
Die Configurable Products, die eigentliche Neuheit bei Magento, gibt es auch bei xt:commerce Veyton. Dort wird von Master Slave-Produkten gesprochen. Wie diese im Detail angelegt und gepflegt werden, ist leider nicht erkennbar. Aber das Prinzip, dass ein Artikel, der in mehreren Größen verfügbar ist, zu einem Produkt zusammengefasst wird, scheint das gleiche zu sein.
Produktsets sind in Magento bereits verfügbar. Es ist einerseits möglich, mehrere Produkte gemeinsam anzubieten (z.B. Jacke, Hose und Weste), und andererseits Produkte nach Kundenwunsch zu konfigurieren (z.B. ein Rechner mit Tastatur, Maus, Monitor nach Wahl). In xt:commerce Veyton werden Produktsets - offenbar in letzterem Sinne nach Magento - erst über ein separates Plugin zur Verfügung gestellt. Es hat den Anschein, dass dieses Plugin aber derzeit noch nicht verfügbar ist.
Download von Software ist bei Veyton bereits jetzt möglich. Dieses Feature steht bei Magento noch auf der Roadmap, allerdings an erster Stelle. Wann es dort zur Verfügung stehen wird, ist noch nicht absehbar.
Mengeneinheiten
Normalerweise kann immer nur eine natürliche Zahl an Produkten gekauft werden. Das ist ja auch sinnvoll, denn wer möchte schon 1,5 Sessel oder 4,2 Eier kaufen? Wird lose oder Meterware verkauft, kann es aber durchaus Sinn machen, 1,5 m Stoff oder 2,5 kg Mehl zu kaufen. Das ist in Magento möglich. In Veyton steht dieses Möglichkeit auf der Roadmap und wird zu gegebener Zeit auch verfügbar sein.
Rechnung
In Magento kann der komplette Kaufprozess abgewickelt werden. Im Back-End können also auch die Versanddokumente und Rechnungen erstellt werden. xt:commerce Veyton bleibt allerdings ein reines Shopsystem. Rechnungen müssen in einem externen System erstellt werden. Zum den Produkten der Partner gibt es bereits Schnittstellen, weitere sollen folgen.
Site-Sales
Magento bietet verschiedene Möglichkeiten an, wie Kunden im weiten Sinne zum Kauf weiterer Artikel animiert werden können. Es können alternative Produkte, spezielle Zusatzprodukte oder allgemein beliebten Produkte vorgeschlagen werden. Die Anzeige erfolgt an eigens definierten Positionen. Bei xt:commerce Veyton gibt es nur Cross Selling unter dem Motto “Kunden kauften auch”. Details dazu werden allerdings nicht zur Verfügung gestellt, so dass nur vermutet werden kann, dass Magento hier mehr Funktionen anbietet.
Support
Für EUR 165,83 kann man die Installation und Erstkonfiguration eines neuen Veyton-Shops auslagern. Magento bietet eine Neuinstallation für $ 149 an. Konfigurationsarbeiten sind hier allerdings nicht enthalten.
Für alle weiteren Fragen gibt es bei Veyton zwei unterschiedliche Support-Alternativen, die jeweils 6 Monate laufen. EUR 234 sind für 7 Supportanfragen per Mail mit 48 Stunden Reaktionszeit fällig. Für 12 Anfragen per Mail mit 6 Stunden Reaktionszeit und zusätzlichem Rückrufservice sind für 6 Monate EUR 414 zu entrichten. Offen bleibt, was passiert, wenn man die maximale Zahl an Anfragen bereits erreicht hat, aber weiteren Support benötigt.
Bei Magento laufen die Supportverträge auf Jahresbasis. Die günstigste Variante für $ 500 erlaubt 8 Supportanfragen per Mail mit 48 Stunden Reaktionszeit. Wer 20 oder unbegrenzt viele Anfragen und 24 Stunden Reaktionszeit wünscht, muss mehr zahlen. Details gibt es nur auf Anfrage bei Magento. Denn hier wird offensichtlich auch die Hardwareausstattung berücksichtigt, so dass die Preise bei $ 1000 beginnen und schnell steigen können. Für Magento-Partner und deren Kunden gibt es diverse Rabatte. Bei den Verträgen mit begrenzter Anfragezahl sind für weitere 10 Anfragen erneut $ 500 zu entrichten.
Fragen und Wünsche, die über die Standard-Installation hinausgehen, werden entweder von den Professional Services von Magento oder die Partner übernommen.
Ein großer Vorteil des Veyton-Supports ist die Tatsache, dass er in Deutsch erfolgt, während die direkte Kommunikation mit Varien in Englisch erfolgt.
Fazit
Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und betrachtet nur einige Aspekte. Da es derzeit noch sehr schwierig ist, detaillierte Informationen über Veyton zu erlangen, darf natürlich nur vorsichtig formuliert werden. Im Forum gehen die Meinungen denn auch weit auseinander und bringen nicht nur Lob und Anerkennung, sondern auch Enttäuschung und Ärger zum Ausdruck. Der Skepsis meines Kollegen kann ich mich trotz eingehender Beschäftigung mit den xt:commerce-Websites für den Moment also nur anschließen. Wir werden die Testversion von xt:Commerce Veyton demnächst genauer unter die Lupe nehmen um dann ein erstes Urteil aus der Praxis abgeben zu können.
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am 7 October, 2008 um 21:52
Interessanter Vergleich, jedoch zwei Systeme die eigentlich keinen wirklichen Vergleich zulassen. Magento ist OpenSource und Veyton nimmt eine eindeutig kommerzielle Stellung ein. Das hinkt ein wenig ! Wenn man aber die Support-Kosten im direkten Vergleich sieht liegen die beiden Systeme nicht wirklich weit auseinander. Daher bleibt abzuwarten wie gut der jeweilige Support abgearbeitet wird. Daher sind Urteile aus der Praxis abzuwarten.
Da Veyton zudem erst 6 Tage “jung” ist sollte man eh erst einige Wochen verstreichen lassen und abwarten was an Informationen nachkommt.
Ich für meinen Teil warte ab bis die Wogen sich geglättet, erst in 2-3 Wochen
wird man wirklich beurteilen können wie fest der Boden ist auf dem dieses jungfräuliche System steht.
am 8 October, 2008 um 7:21
@ S.Rühle: Grundsätzlich gebe ich Dir zwar Recht, dass ein Vergleich zwischen Open Source und kommerziellen Produkte hinkt. In diesem speziellen Fall glaube ich jedoch, dass das schon zulässig ist. Wenn man die Historie betrachtet und sich die beiden Systeme etwas näher ansieht entdeckt man doch deutliche Parallelen - natürlich mit dem großen Unterschied, dass Veyton kostenpflichtig ist. Ich gebe Dir auch Recht, dass man sich ein erstes Urteil erst nach einigen Wochen erlauben kann. Daher warten wir den Test ja auch noch etwas ab - nicht dass es dann gleich heiß daß wir ein jungfräuliches System gegen eine ausgereiftere Lösung antreten lassen. Nach dieser “Schonfrist” ist es aber dann schon legitim, die “Hosen runter zu lassen”. Insofern wird der Test für mich doch ganz interessant, weil ich jetzt einfach mal behaupte, dass ein kommerzielle Produkt einem Open Source Produkt in diesem Fall zumindest auf Augenhöhe (+ X) begegnen muss um erfolgreich zu sein.
am 10 October, 2008 um 7:05
[…] xt:Commerce Veyton vs. Magento von TechDivision […]
am 14 October, 2008 um 13:05
Meine Entscheidung für xt:Commerce ist schon vor einigen Jahren gefallen und umrüsten würde ich nur im absoluten Notfall. xt hat auch den Vorteil der vielen Module, die für wenig Geld und mit etwas eigenen Programmierkenntnissen zu haben sind. Im großen und ganzen bin ich sehr zufrieden mit diesem System und kann es nur jedem weiterempfehlen.
am 7 November, 2008 um 3:18
Also persoenlich werde ich mich in Zukunft mehr mit Magento befassen. Ich habe in der Vergangenheit viel mit xtc gearbeitet und lasse nur schweren Herzens los, aber die neuen Wege welche die Macher von xtc gehen, gefallen mir nicht. Geschuetze PHP Files, Preis aber auch etwas die Art der Kommentare im Forum durch die Geschaeftsleitung von xtc. Sicherlich ist die Verfuegbarkeit von Modulen noch ein Problem, aber ich denke, dass ist nur eine Frage der Zeit. Was den Vergleich von Open Source und kommerziellen Produkten betrifft, so muss ich sagen spricht das auch fuer Magento, da Magento im Vergleich zu kommerziellen Produkten viele Leistungen bringt ohne dass man einen grossen Geldbeutel braucht. xtc waere besser beraten, die kleinen Varianten als Open Source zu belassen und die grossen Versionen als kommerziell zu vermarkten. Somit laufen sie nicht in Gefahr die Gemeinde der “Klein-Shop-Betreiber” zu verlieren. Es wird sich in naher Zukunft auf den Marktanteil auswirken. Persoenlich wechsel ich mein Pferd, wenn es beginnt zu hinken, nicht erst wenn es zusammengebrochen ist.
am 12 November, 2008 um 15:27
So, Veyton ist jetzt ein paar Tage raus, gibt es schon ein Shop im Einsatz zu bestaunen? Wenn ich mir den Shop von XTC ansehe, läuft der auch “nur” unter der Version 3.1
am 12 November, 2008 um 15:36
@Tom2: Die Frage nach einem Veyton-Shop ist natürlich durchaus berechtigt, aber die “paar Tage” dürften realistischerweise nicht reichen, um einen vernünftigen, individuellen Shop aufzusetzen und an den Start zu bringen. Das hat man ja auch bei Magento gesehen. Die ersten Shops waren wenig individuell, und Wunder dauern ja bekanntlich etwas länger.