Windows Vista oder Ubuntu, wenn XP nicht mag?
Nachdem bei meinen einigermaßen alten Rechner letzte Woche die Festplatte den Geist aufgegeben hat, musste nun eilig Ersatz her. Dell hat auch sehr schnell geliefert, viel schneller als angekündigt, offenbar die Notwendigkeit ahnend. Soweit, so gut.
“Kannst du dir vorstellen, mit Ubuntu zu arbeiten?”, fragt mich unser Sys-Admin. Nach Analyse der Programme, die ich so täglich brauche, muss er dann seinen Traum, alle Rechner nach und nach auf Ubuntu umzustellen, zumindest bei mir aufgeben. Office hat denn doch so seine Vorteile verglichen mit Open (oder Star) Office, die man im professionellen Bereich schon spürt. Also legt er die Windows XP-CD ein. Abgesehen von dem unsäglichen Krach, den das CD-Laufwerk verbreitet, kommt schnell eine unliebsame Überraschung: Blue Screen…
Wie sich der alte Rechner verabschiedet hat, so begrüßt uns der neue Rechner? Neja, nachdem der zweite Versuch auch mit dem Blue Screen endet, streckt sich das Fragezeichen aus der ursprünglichen Frage zum Ausrufezeichen. Windows Vista gibt es nicht, bleibt also Ubuntu.
Da sitze ich nun, als internes “Versuchskaninchen” für Ubuntu als Nutzer von Word, Excel, Visio und grundlegenden Funktionen der Bildbearbeitung. Beim Browser und bei der Mailbox gibt es weder Überraschungen noch Umstellungsprobleme, denn Firefox und Thunderbird sind ja wohlbekannt. Dass der Thunderbird auch eine RSS-Funktion anbietet, ist durchaus praktisch und spart ein weiteres Programm.
Aber was ist mit Office? Zum Glück gibt’s CrossOver, denn damit lassen sich alle bisherigen Dateien öffnen, bearbeiten und speichern. Ja, aber - und das ist schon ein dickes aber: Öffnen und Speichern vom Server ist nun nicht mehr möglich - die Datei ist dann leer. Dateien lassen sich nur mit Open Office vom Server öffnen. Wenn ich sie mit Office öffnen möchte, muss ich mir eine lokale Kopie anlegen, diese bearbeiten und dann später wieder auf den Server verschieben. Sollte ich das mal vergessen, gibt es unter Umständen Durcheinander, weil die aktuellste Version ja nicht allgemein zur Verfügung steht. Und solange ich lokal auf meiner Kopie arbeite, könnte ein XP-ler auf dem Original arbeiten. Und sollten wir nicht voneinander wissen und er vor mir fertig sein, überschreibe ich seine Änderungen beim Rücksichern meiner lokalen Kopie… Also müsste ich das Original mit OpenOffice öffnen, damit es gesperrt ist, dann die Kopie mit Office bearbeiten, das Original wieder schließen und mit der bearbeiteten Kopie überschreiben…
Vielleicht kann ich mich ja wenigstens mit mir selbst einigen, für Tabellen Open Office statt Excel zu nehmen? Der gute Wille war da, aber Open Office hat sich in die ewigen Jagdgründe verabschiedet, als ich versucht habe, die Symbolleiste um die Schaltflächen zum Einfügen und Löschen von Zeilen und Spalten zu ergänzen. Die brauche ich nun mal, und wer das nicht kann, darf nicht auf allzugroße Sympathie meinerseits hoffen.
Nächste Aufgabe: Eine wirklich einfache, vorhandene Zeichnung aus einem Dreieck, ein paar Linien, Pfeilen und Text in Visio kopieren und leicht modifizieren. Und wieder eine Überraschung: Visio braucht Minuten, bis die Zeichnung überhaupt einmal dargestellt wird. Jedes Kästchen des Hintergrunds wird scheinbar individuell gemalt, und bis mein Dreieck dann endlich noch seinen Rand bekommen hat…da wäre ich mit der Hand schneller gewesen. Der Versuch, in einen der Pfeile einen anderen Text einzufügen, wird ebenfalls zum Geduldsspiel, bei dem ein Kalligraph in seiner schönsten Schrift sicher auch gewinnen würde. Ja und das Verschieben des Pfeils erinnert mich dann an Blinde Kuh, denn mit jedem Betätigen der Pfeiltaste verschwinden der Pfeil und auch Teile des Dreiecks, werden dann erst wieder hübsch neu gemalt, gefüllt, umrandet… So kann man also bei aller Liebe nicht arbeiten.
Was gibt’s alternativ? DIA - schaut auf den ersten Blick wie ein Visio-Zwilling aus. Aber auch hier verhält es sich wie mit Word und dem OpenOffice Writer: Es sind die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen und die Akzeptanz zumindest im professionellen Bereich sehr erschweren.
Nur ein paar Beispiele: Möchte man in DIA in einem Textfeld einen Buchstaben löschen, muss man den Cursor rechts neben diesen Buchstaben stellen und ihn mit der Backspace-Taste löschen. Nimmt man die Del-Taste, verschwindet das gesamte Textfeld. In Zeichnungsobjekte (z.B. Kästen oder Pfeile) kann man direkt keinen Text einfügen. Der Doppelklick, der in Visio zum Cursor für die Texteingabe führt, öffnet in DIA nur den Bereich zum Bearbeiten der Objekteigenschaften. Und vorgefertigte Pfeile kann man nur insgesamt vergrößern, nicht jedoch das Pfeilende verlängern, damit ein längerer Text hineinpasst. Da ich (vielleicht?) ein symbolleistengewöhnter Mensch bin, vermisse ich diese natürlich in DIA, wo ich wohl alle Befehle zum Gruppieren und Anordnen von Objekten über das Menü holen muss.
Einigermaßen nett von DIA ist zwar, dass es meine Zeichnung direkt als *.png oder *.jpg-Datei speichern kann. Aber das ist letztendlich bestenfalls die halbe Miete, denn meine Bilddatei soll nur mein Dreieck enthalten, ohne weiße Ränder und in einer gegebenen Breite, z.B. damit es sich schön in einen Blogbeitrag einfügen lässt. Ohne Grafikprogramm komme ich also nicht weiter, auch wenn ich kein Designer bin. Leider vertragen sich weder Macromedia Fireworks noch Adobe Photoshop mit Ubuntu, so dass mir nur der liebe kleine Gimp bleibt. Das Logo ist zwar auf dem Desktop nett anzuschauen, aber das zählt ja nicht im Berufsalltag. In der Zeit, die ich brauche, bis ich die zwei getrennten Fenster ordentlich ausgerichtet und meine Bilddatei auf den Desktop kopiert habe, war ich vorher mit Fireworks schon fertig mit meinem Bild…
Und auch der Versuch, eine Powerpoint-Präsentation anzusehen, war mehr der Blick über die Schulter eines Malers. Dass ein paar Schrifttypen gefehlt haben, war ja noch zu verschmerzen, aber dass man zusehen kann (muss?), wie Linien gezogen werden, ist nicht wirklich akzeptabel.
Ich bin zwar kein ausgesprochener Microsoft-Hasser, andererseits gerne auch mal bereit, gegen den Strom zu schwimmen. Aber da ich ja nicht für’s Warten auf Visio und das Rumkopieren von Dateien bezahlt werde, werden sich unsere “Techies” doch noch was einfallen lassen müssen, wie mein Rechner mit XP zum Laufen gebracht werden kann. Wie die Lösung aussieht, verrate ich, wenn ich sie habe. Bis dahin kann man sich nur wundern, wie gefügig sich doch die Hardware-Hersteller offensichtlich an den Software-Riesen halten.
Wer ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder einen passablen Work-Around herausgefunden hat, ist eingeladen, dies in einem Kommentar weiterzugeben.
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am 7 December, 2007 um 16:49
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