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Wenn einer eine Reist tut

Gepostet in Allgemeines durch Josef Willkommer am 22 May, 2008

… dann kann er was erleben. In meinem Fall bleibt dem fast nichts mehr hinzuzufügen. Ich musste gestern geschäftlich nach Köln und war im Vorfeld bereits am überlegen, ob ich die Deutsch Bahn sponsere oder in die Luft gehe. Ich hab mich dann für letztere Variante entschieden - und das gleich in doppelter Hinsicht!

Mein Flug sollte um 8.30 in München starten. Zum Münchner Flughafen bin ich ca. 1 Stunde unterwegs, mit ein bisschen Puffer bedeutete dies um 6 Uhr aufstehen. Prima! Bis zum Franz-Josef-Strauß (Flughafen) lief dann auch alles glatt. Danach aber gar nicht´s mehr. Mein Flug wurde nämlich gleich mal gestrichen. Piloten und Flugpersonal von Germanwings hatten sich kurzfristig dazu “durchgerungen” zu streiken. Es gab daher drei Möglichkeiten:

1. Ersatzflug mit Lufthansa um 9 Uhr

2. Nächster Germanwings-Flug um 11 Uhr

3. Geld zurück

Für mich kam nur Variante 1 in Frage, eine halbe Stunde Verspätung ist zwar ärgerlich aber gerade noch ok. In Köln angekommen quetschte ich mich dann umgehend in ein Taxi - ein folgenschweres Erlebnis. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich einer der wenigen bin (wenn nicht der Erste), der dabei Ferrari gefahren ist. Richtig gehört - FERRARI!!!

Der Taxifahrer war Italiener (Isch abe gar kein Auto… ;-) mit leicht kölner Slang, der doch tatsächlich Ferrari hieß - der absolute Wahnsinn! Erste Frage meines Fahrers: “Willst du chocolation?” - er meinte damit die längste Praline der Welt, die er mir mit seinem italienischen Charme unter die Nase hob - Känguruhs aus Fruchtgummi hatte er auch noch im Angebot, wobei ich beides dankend ablehnte. Tja, und dann ging die Fahrt los. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch nie in meinem Leben so geschwitzt habe. Der Typ machte seinem Namen alle Ehre - in Schlangenlinien, wild gestikulierend und Hupend gings durch Köln, wobei ich mir nicht sicher bin ob wir an einem Radfahrer nur “knapp vorbei” geschrammt sind oder ihn tatsächlich gestreift haben.

Ganz entspannt erzählte er mir dann noch einen Witz, wobei er zwischenzeitlich dann aber noch kurz mit einem Stammkunden telefonierte. Nach 15 Minuten Fahrtzeit war der Spuk bzw. das Erlebnis vorbei. Bei mir waren noch alle Knochen heil und ich war einfach nur froh (gesund) angekommen zu sein.

Der folgende Termin verlief dann - für diesen Tag untypisch - relativ unspektakulär. Mittags gings dann in ein Bistro. Bei freundlichem Sommerwetter saßen wir draußen und bestellten (nach ca. 15 Minuten warten) unser Essen. Nach weiteren 20 Minuten kam die Bedienung dann an und meinte “Leider hat der Koch nicht mehr genug vom bestellten Essen da. Wollen Sie vielleicht etwas anderes?” Naja, man ist ja flexibel also hab ich dann einfach umbestellt und zwischenzeitlich drei Kölsch getrunken - zur Nervenberuhigung! Irgendwann kam dann auch das Essen - der Rest der Mittagspause war dann wieder halbwegs normal (Essen, Bier trinken, fertig!).

Um 17.30 Uhr machte ich mich dann zu Fuß auf den Weg zur S-Bahn Richtung Flughafen. Am Bahnsteig angekommen erwartete mich dann die nächste Überraschung. Beide Fahrkartenautomaten waren defekt - also war Schwarzfahren angesagt. Während ich auf den Zug wartete überlegte ich mir dabei schon mal, wie ich bei einer Fahrkartenkontrolle reagieren würde. Das Spektrum reichte von bemitleidenswert bis “nicht aussprechbar”…

Für diesen Tag überraschenderweise gab es keine Kontrollen und auch sonst war die Fahrt zum Flughafen dann ohne irgendwelche Zwischenfälle. Der Flug zurück nach München sollte dann um 18.45 Uhr abheben. Am Gate war schon Hochbetrieb als ich dort ankam. Gegen 18.20 Uhr - kurz vor dem Einsteigen - räumten die Servicemitarbeiter jedoch dann urplötzlich das Feld. Die Zeit verstrich, nichts geschah - keine Anzeige, keine Durchsage - gar nichts!!! Gegen 18.50 Uhr leuchtete auf der Abflugtafel bei meinem Flug dann plötzlich die Info auf: “Nächste Info um 19 Uhr”. Natürlich passierte um 19 Uhr erstmal gar nichts. Irgendwann kam dann eine Servicemitarbeiterin (mittlerweile gab es bereits etwas Tumult unter den Fluggästen) und gab die Info an uns weiter, dass die nächste Info bzgl. des Fluges nach München um 20.45 Uhr bekannt gegeben wird. Sie wusste aber nicht, ob der Flug - wegen des Streiks - überhaupt noch stattfindet.

Ich hab dann im Web recherchiert und festgestellt, dass ein Germanwingsflug von München nach Köln kurz nach 19 Uhr gestartet war - eine gewisse Hoffnung keimte wieder auf. Und tatsächlich - irgendwann gab es dann die offizielle Info, dass unser Flug definitv um 20.45 Uhr zürück nach München startet.

Irgenwann bin ich tatsächlich in der Maschine gesessen (die sogar tatsächlich nach München flog) und nach ruhigem (!!!) Flug in München gelandet. Mein Auto stand auch noch ganz normal an seinem Parkplatz, hatte keine platten Reifen und sprang auch an. Bei der Rückfahrt gab es keinen Stau, ich hatte auch keine Panne und beim Einparken in die Garage lief auch alles glatt!!!

Bereits vor der Wohnungstür erwartete mich dann lautes “gegackere”. Meine Freundin hatte spontan vier Mädels zum Wii-Abend eingeladen - ein krönender Abschluss dieses Tages! Ich hab mir dann ein Bier aufgemacht und mir von den Ereignissen des Tages berichten lassen. Ich war ja nur geschäftlich in Köln - wie langweilig!!!

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5 Antworten zu 'Wenn einer eine Reist tut'

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  1. Marion Engel (53 comments) kommentiert

    am 23 May, 2008 um 9:25

    Für die nächste Reise nach Köln empfehle ich den Nachtzug. Der bietet zwischen 23 h und 6 h ein rollendes Zimmer mit Bad und Frühstück und Anschluss an den städtischen Nahverkehr.
    Bei der Bahn geht zwar auch nicht immer alles glatt, aber die Streiks werden doch wenigstens vorher angekündigt. Und die Umweltbilanz dieser Reiseart ist sicher auch um einiges günstiger.

  2. Frank (2 comments) kommentiert

    am 23 May, 2008 um 10:34

    Ein absoluter “Hammer” Bericht. Da muss ich echt schmunzeln. :-)
    Was Mann nicht alles auf sich nimmt.

    Gut geschrieben und mit wenig Ironie gespickt. ;-)

    Weitermachen :-)

  3. Josef Willkommer (62 comments) kommentiert

    am 23 May, 2008 um 10:46

    @Frank: Vielen Dank für die “Blumen”. Der Tag musste einfach für die Nachwelt dokumentiert werden - das glaubt einem eh kein Mensch. Vor allem hab ich eines ja glatt noch vergessen. Beim Rückflug nach München, gab es dann auch keine Getränke mehr, weil die Maschine aus zeitgründen nicht mehr mit Nachschub versorgt wurde. Statt dessen meinte der Pilot: “Bitte schenken Sie dem Kabinenpersonal ein lächeln, sie können am wenigsten dafür und sind mittlerweile auch etwas gestresst.”

  4. Marcel Schreyer (6 comments) kommentiert

    am 28 May, 2008 um 10:15

    Wir wollen die Telefonnummer des Taxifahrers!!

  5. Josef Willkommer (62 comments) kommentiert

    am 28 May, 2008 um 12:53

    @Marcel: Kann ich mir vorstellen. Der Typ war echt sein Geld wert… :-)

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