Webverzeichnisse
Große Aufregung gab es in den USA kürzlich, weil Google etliche Web-Verzeichnisse manuell aus seinem Index entfernt hat. Die Diskussionen wurden teilweise sehr emotional geführt, was sicherlich auch daran liegt, dass es immer noch eine gewisse Grauzonen gibt.
Aber einige definitive Erkenntnisse und Ratschläge kann man der Diskussion doch entnehmen.
Schlechte Verzeichnisse
In folgenden Fällen sollten Sie die Finger von Verzeichnissen lassen und sich nicht um einen Link aus dem Verzeichnis bemühen:
- Kein abgegrenztes Thema: Es gibt einige wenige gute themenübergreifende Verzeichnisse (z.B. Yahoo! und DMOZ). Wesentlich mehr Verzeichnisse nehmen allerdings alle Themen auf, weil sie dadurch ihre potenziellen Einkünfte maximieren können.
- Keine Zugangsbegrenzungen: Selbst einfache Algorithmen erkennen Verzeichnisse, die auf qualitativ minderwertige Seiten oder Spam-Seiten verlinken. Google befasst sich schon seit Jahren mit dem Thema schlechte Links und schlechte Umgebungen.
- PageRank wichtiger als Traffic: Bei Verzeichnisse, die mit Sätzen wie „Suchmaschinenoptimiert“ oder „hoher Page Rank“ werben, geht es um den Verkauf von Links, die das Ranking in Suchmaschinen beeinflussen sollen und nicht um die Aufnahme in das Verzeichnis.
- Manipulativer Aufbau von Links: Da der Page Rank im Toolbar für die Verzeichnis-Industrie immer noch am meisten zählt, bedienen sich einige Verzeichnisse dubioser Taktiken zum Aufbau von Links: Sie treten als Sponsoren für Blogs auf, kaufen Links in schlechten Verzeichnissen, schreiben nutzlose Presseberichte und nutzen Affiliate-Programmen oder Webmaster-Foren, um Links zu generieren.
- Verschleierungstaktik: Manche Verzeichnisse wollen natürlich erscheinen, indem sie auf die Web-Seiten von Regierung, Bildungsträgern oder wichtige Medien verlinken. Diese Taktik kann man ganz gut erkennen, wenn man die verschiedenen Kategorien vergleicht und dort erhebliche Unterschiede feststellt.
- Premium-Einträge: Wenn die Verzeichnisse gegen eine höhere Gebühr einen zusätzlichen Link, eine bessere Platzierung auf der Seite oder eine Verlinkung in jeder Kategorie anbieten, ist das ein guter Hinweis darauf, dass sich das Google Spam-Team in Kürze melden wird.
- Gemeinsame Verlinkung mit anderen Verzeichnissen: Wenn man einen Eintrag in ein Verzeichnis mit dem Eintrag in drei andere Verzeichnisse zu „einem günstigen Preis“ kaufen kann, spart man sich die Ausgabe lieber gleich.
- Jüngste Neuzugänge: Wenn man in einem Verzeichnis sieht, dass ein plastischer Chirurg, ein Internet-Casino, ein Kreditvermittler und eine Versicherung zu den jüngsten Neueintragungen zählen, kann man ziemlich sicher sein, dass eine seriöse Suchmaschine den Wert des Links bald heruntersetzt.
- Versteigern von Links: Das ist einer der offensichtlichsten Tricks zur Manipulation von Links, denn wer glaubt ernsthaft, dass eine Suchmaschine diesen Links berücksichtigt?
- Mehrere Links mit Anker-Texten nach Wahl: Wenn Sie Ihren Anker-Text selbst wählen können und damit auf verschiedene Seiten verlinken können, sollte klar sein, dass sich das Verzeichnis nicht an menschliche Internet-Nutzer wendet. DMOZ, Yahoo! und die guten Verzeichnisse verwenden nur den Firmennamen oder eine Seitenbeschreibung als Linktext, und der Nutzer darf seinen Ankertext nicht selber festlegen.
- Banner-Werbung für ein Verzeichnis auf SEO-Seiten: Das bringt zwar Klicks, Anmeldungen und Geld, aber ruft auch die QS der Suchmaschinen auf den Plan. Ihr Verzeichnis sollte dann also einer manuellen Überprüfung standhalten können.
- Backlink-Pflicht: Wenn ein Verzeichnis einen Backlink oder einen Link auf eine andere Seite für die Aufnahme oder einen günstigeren Preis verlangt, dann ist so gut wie sicher, dass die Suchergebnisse hier durch die Verlinkung manipuliert werden sollen.
Solange die Suchmaschinen die Verlinkung aus derartigen Verzeichnissen allerdings für die Suchergebnisse berücksichtigen, wird es die Verzeichnis-Industrie auch weiter geben. Wenn die Suchmaschinen den gekauften Links und manipulierenden Verzeichnissen allerdings wirklich den Garaus machen wollen, werden tausende von Verzeichnissen betroffen sein. Danach wird sich aber echte Glaubwürdigkeit in dem Bereich einstellen.
Solange die Verzeichnisse trotz der Bestrafung durch Google allerdings ihren hohen PageRank im Toolbar behalten, werden sich immer wieder Leute finden, die hier Links kaufen. Google informiert zwar die Betreiber der Verzeichnisse, dass sie den Index nicht beeinflussen können. Wer aber denkt an die nicht informierten Webmaster, die noch immer glauben, dass der Kauf von Links eine gute Methode im Such-Marketing ist?
Gute Verzeichnisse
Es gibt eine ganze Menge guter Verzeichnisse, die sich nicht nur dadurch auszeichnen, dass sie auf die oben genannten Praktiken verzichten. Wichtig ist, wirklich Ressourcen hoher Qualität zur Verfügung zu stellen. Das geht wie folgt:
- Suche Sie sich Ihre Nische: Suchen Sie ein Thema, für das Sie sich wirklich interessieren, seien es Vögel, Router oder Bekleidungshändler im Web.
- Erstellen Sie mehr als ein Verzeichnis: Stellen Sie gute Inhalte zu Ihrem Thema auf die Seite: Blog-Posts, Artikel, Tools, Quellen, Listen, Diagramme, investigativer Journalismus usw.
- Bieten Sie Reviews von Seiten in Ihrer Nische an: Aber bitte verlinken Sie nur dann darauf, wenn Sie diese Seiten wirklich empfehlen können.
- Begründen Sie die Aufnahme: Nehmen Sie nur dann einen Link auf eine Seite auf, wenn Sie sich mit jedem Interessierten oder Spezialisten in Ihrem Fachgebiet an einen Tisch setzen und ihm erklären können, warum Sie eine spezielle Seite aufgenommen haben.
- Bieten Sie keine Tricks oder „Link Juice“: Bieten Sie Beiträge und Links, die für die Besucher, die wirklich Interesse an Ihrem Thema haben, interessant und nützlich sind. Wenn Sie Links für die Positionierung bei Suchmaschinen verkaufen, sind Sie vom Weg abgekommen. Das werden zwar wahrscheinlich einige Leute, die Sie wegen eines Links ansprechen, im Kopf haben. Aber wenn Sie wirklich gegen zukünftige Strafen oder Abwertungen immun sein wollen, sollten Sie diesen Aspekt nicht in den Mittelpunkt stellen.
Es ist nicht einfach, gute, solide Links aus Verzeichnissen zu bekommen, die langfristig wertvoll sind. Aber es gibt ein paar tausend gute Verzeichnisse, die mit den oben beschriebenen Verzeichnissen nichts gemeinsam haben. Und wenn die Anmeldung bei manchen Verzeichnissen antiquiert erscheint, vielleicht eine persönliche E-Mail erfordert oder gute Argumente, warum Ihre Seite aufgenommen werden sollte: Genau diese Maßnahmen bringen letztendlich den Wert.
Quelle: SEOmoz
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