Proximic: Konkurrenz für Google aus München?
Nein, heute ist nicht der 1. April und auch kein anderer Tag, an dem man seine Leser vielleicht zum Narren halten kann. Denn Silicon Valley scheint tatsächlich Angst vor Proximic zu haben, einem Unternehmen, das seinen Sitz in der Nähe der TU München hat. Um letzteres zu erkennen, muss man allerdings ganz genau hinschauen, denn der Internet-Auftritt ist komplett in Englisch und die Münchner Adresse steht auch „nur“ neben einer Adresse in Paolo Alto.
Proximic sieht sich selbst als Plattform, die Anbieter und Nutzer von Internet-Inhalten zusammenbringen will, indem ähnliche Nachrichten, Artikel, Hintergrundinformationen und Anzeigen ermittelt und gemeinsam angezeigt werden. Ohne Schlüsselwörter und Tags gibt es für jede Webseite eine Liste mit verwandten Seiten, um das Auffinden von Informationen natürlicher und vollständiger werden zu lassen.
Thomas Nitsche (54) und Philipp Pieper (33), laut Siliconvalley die Köpfe hinter Proximic, sind der Auffassung, dass die Informationen proaktiv den Weg zum Nutzer finden sollten. Durch eine dynamische Querverlinkung nützlicher und relevanter Inhalte im Web sollen nicht nur die Nutzer produktiver werden, sondern auch die Möglichkeiten der Vermarktung von Inhalten besser gesteuert und kontrolliert werden können. Und letzteres ist wohl der Punkt, vor dem man in Silicon Valley Angst hat, im Gedanken an kontextrelevante Anzeigen.
Der Unterschied zwischen den Algorithmen von Proximic und Google soll darin liegen, dass Google Wörter miteinander vergleicht, während Proximic Zeichenketten verwendet und dadurch auch gleich sprachenunabhängig ist.
Als „normaler“ Nutzer kann man sich derzeit ein Plug-In für den Firefox herunterladen. Die gerade betrachtete Seite wird dann in der linken Bildschirmhälfte angezeigt, während die rechte Spalte von Proximic belegt wird. In den Kategorien „News“, „Wikipedia“, „Web“, „Media“ und „Products“ werden verwandte Seiten angezeigt, natürlich mit Link. Ein kleiner grauer Balken zeigt den Grad der Übereinstimmung an, je dunkler, desto besser. Jede Kategorie kann auf- und wieder zugeklappt werden. Fotos werden beim Überfahren mit der Maus vergrößert. Auch zu den vorgeschlagenen ähnlichen Seiten kann man im Proximic-Fenster wieder ähnliche Seiten suchen.
Mein persönliches Fazit ist gemischt. Es gibt gute, mittelgute und merkwürdige Ergebnisse. Gute Ergebnisse gibt es vermutlich, wenn die Inhalte der gewählten Seite durchgängig und eindeutig sind.
So präsentiert sich der Bildschirm für den Benutzer:
Und hier der besseren Lesbarkeit wegen die Proximic-Ergebnisse nochmal größer:

Bei mittelguten Ergebnissen sind einige angebotene Seiten tatsächlich ähnlich, andere aber nicht wirklich.
Schwieriger wird es sicher auf einer Seite, die unter einem thematischen Dach mehrere Gebiete abdeckt, wie z.B. die Sportlerfrage. Hier die Startseite: 
und die laut Proximic ähnlichen Seiten:

Dass hier jedoch zweimal angegeben wird, dass sportlerfrage.net ähnlich wie sportlerfrage.net ist, lässt schon mal die ersten Zweifel aufkommen. Die unter News gebotenen Links haben dann thematisch überhaupt nichts mit der Ausgangsseite zu tun. Was zusätzlich verwundert ist die Tatsache, dass zu einer deutschen Ausgangsseite englischsprachige Pendants geboten werden. Die Übereinstimmung von Zeichenketten gleicher Bedeutung in beiden Sprachen ist eher gering, allenfalls bei Eigennamen, die aber auf der Ausgangsseite nicht vorkommen. Und auch bei den weiteren Ergebnissen ist schwer bis gar nicht nachvollziehbar, auf welchen Kriterien hier die Ähnlichkeit basiert. Werbeeinblendungen auf den angeblich ähnlichen Seiten wären weitgehend nutzlos.
Viele Seiten können aber auch gar nicht analysiert werden, da sie angeblich Cookies benutzen und zum Schutz der Privatsphäre nicht verarbeitet werden. Diese Meldung ist aber bei vielen Seiten definitiv falsch.
Neja, Proximic ist ja noch eine Beta-Version, da kann ja noch nicht alles perfekt sein. Meine erste Idee unter SEO-Gesichtspunkten, Proximic für eine Konkurrenz-Analyse zu verwenden, kann ich nach den aktuellen Erkenntnissen leider vergessen. Aber wenn ich Langeweile habe, werde ich das Proximic-Fenster mal wieder aufmachen und schauen, was mir so angeboten wird. Vielleicht tut sich ja noch was und vielleicht ist ja eine der angebotenen Seiten nützlich für mich – das kann ich ja dann mit menschlicher Intelligenz beurteilen.
Abonnieren Sie jetzt unseren RSS-Feed und bleiben Sie so immer auf dem Laufenden!
Diese Artikel dürften Sie auch interessieren
- Page Rank wieder auf Talfahrt
- Tools für Web-Design und SEO
- Strafen für doppelte Inhalte – Dichtung oder Wahrheit?
- Hosting und Suchmaschinenoptimierung
- Mobil ins Internet – Teil 3


am 11 October, 2007 um 13:38
Zitat: “Viele Seiten können aber auch gar nicht analysiert werden, da sie angeblich Cookies benutzen und zum Schutz der Privatsphäre nicht verarbeitet werden. Diese Meldung ist aber bei vielen Seiten definitiv falsch.”
In diesem Fall kann man “selected search” benutzen, d.h. man selektiert irgendwelchen Text auf der Seite, klickt man auf die rechte Maustaste, dann
“Focus proximic on selection” und es wird mit dem ausgewählten Text gesucht. Eine gute Möglichkeit Cookies umzugehen.
———–>
Zu den Übersichtsseiten:
Wie würden Sie denn (als Mensch und keine Maschiene) den Inhalt einer Übersichtsseite (mit vielen unterschiedlichen Themen) in einer gemeinsamen Thema zusammenfassen?…
am 11 October, 2007 um 14:00
In der Tat, die “selected search” bringt gute Ergebnisse für das selektierte Wort. Danke für den Hinweis.
Und klar, es ist ein komplexes Problem, bei einer Übersichtsseite ein brauchbares Ergebnis zu zeigen. In meinem Beispiel “Sportlerfrage” hätte ich aber zumindest erwartet, dass die Ergebnisse im weiten Sinne mit Sport zu tun haben, was aber nicht immer der Fall war.
Bei fehlender Eindeutigkeit muss es ja bestimmte Kriterien geben, die wichtiger sind, z.B. dass die Begriffe der URL dann verwendet werden, oder die ersten Zeilen oder oder…
Da kann man sich ja jede Menge Kriterien vorstellen, vielleicht auch geografische Faktoren.
am 11 October, 2007 um 14:35
Man kann nicht nur ein Wort, sondern auch ein Absatzt oder den ganzen Text auswählen.
Mit “Alt + Click” oder “Alt + Click +selected search” kann man auch suchen.