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Gedanken und Beobachtungen zu Magento

Gepostet in Magento durch Marion Engel am 8 August, 2008

Ich habe mir in den letzten Tagen die Version 1.1 von Magento etwas genauer angeschaut, und auch für ein Fachkonzept eines Magento-Shops mal wieder etwas im Back-End gestöbert. Das Demo-Back-End, das Magento auf seiner Webseite anbietet, weist allerdings inzwischen eher seltsame Testdaten auf. Außerdem entsprechen die Daten im Back-End nicht denen des Demo-Shops, so dass es schwer fällt, hier Informationen zu sammeln. Aber wer sich ernsthaft mit Magento beschäftigt, hat ja sowieso eine eigene Testumgebung.

Ich bin also nach wie vor von Magento begeistert und frage mich hin und wieder, womit die Welt eigentlich Magento verdient hat. Also wie Varien auf die Idee zur Entwicklung der Shop-Software kam und vor allem warum sie es kosstenlos als Open-Source-Anwendung zur Verfügung stellen. Ein paar interessante Antworten auf diese und andere Fragen haben CEO Roy Rubin und CTO Yoav Kutner dem T3N-Magazin gegeben. Demnach war Frust einer der Auslöser, dem sie dann aber positiv mit einem eigenen Angebot begegnet sind. Das gesamte Interview, das ich hier natürlich nicht wiedergeben möchte, kann man in den T3N-News nachlesen.

Ich aber möchte noch ein wenig weiter philosophieren und ein paar Beobachtungen wiedergeben, die wir so in der Praxis mit Magento gemacht haben - und zwar nicht aus technischer, sondern aus menschlicher Sicht.

Magento ist in aller Munde, das ist sicher nicht übertrieben. Wie die Kunde über diese neue Shop-Software allerdings aufgenommen wird, ist sehr unterschiedlich. Es gibt Unternehmen, die bereits vor Magento einen Online-Shop ausreichender Größe betrieben haben, und nun prüfen möchten, ob sich ein Relaunch mit Wechsel der Shop-Software lohnt. Die Mitarbeiter kennen sich also mit dem Betrieb eines Online-Shops bereits aus und haben sich oft auch schon mit Magento vertraut gemacht. Sie stellen gezielte Fragen, und die Beratungs- und Supportgespräche verlaufen für beide Seiten zufriedenstellend.

Es gibt allerdings auch das genaue Gegenteil, also Personen, die eine völlig falsche Vorstellung von Magento haben. Was sie konkret in einem Magento-Shop verkaufen möchten, bleibt uns verborgen. Vielleicht fehlt ihnen da selber noch das klare Konzept. Für Investitionen ist jedenfalls kein Spielraum. Das lässt sich schnell erkennen, wenn die Vorstellung geäußert wird, Magento lokal auf einem Rechner mit einem beim besten Willen nicht mehr aktuellen Betriebssystem zu installieren oder mit 340 MB Speicher erfolgreich zu betreiben. Da zerstört so manche telefonische Anfrage womöglich den Traum, im Web das große Geld zu machen.

Magento enthält standardmäßig bereits viele interessante und notwendige Funktionen. Aber trotz allem ist die Installation von Magento doch etwas komplizierter als die Installation eines Freeware-Grafikprogramms. Und selbst wenn man nur die Standard-Funktionen verwenden möchte, sollte man sich in der IT auskennen. Wer individuelle Layouts oder gar Funktionen wünscht, braucht mehr als Grundkenntnisse der HTML-Programmierung. Auch ein php-Programmierer sollte sich zunächst mit dem Zend-Framework und den Regeln von Magento vertraut machen, bevor er in den Code greift. Mit ausreichenden Vorkenntnissen allerdings lässt sich mit Magento (fast) alles machen, vom individuellen Layout bis hin zu speziellen Rechenregeln an der Kasse.

Das mag jetzt vielleicht alles ein wenig wild und abschreckend klingen, aber es ist ja auch bei anderen Aufgaben so, dass Werkzeug und Kenntnisse zur Aufgabe passen müssen. Niemand wird mit einem Teelöffel einen Acker umgraben und niemand wird von einem Erstklässer erwarten, dass er einen Bestseller-Roman schreibt. Drastische Vergleiche, sicher, aber daran werden manche Sachverhalte ja viel einfacher klar.

Und dieses ausgewogene Verhältnis zwischen Einsatz und Ergebnis gilt auch hinsichtlich der Produktpflege. Ja, Magento kann viel. Aber Magento hat (leider noch?) keine künstliche Intelligenz, mit der es Produkte für eine ansprechende Darstellung kategorisieren, gruppieren oder sortieren könnte.
Es gibt ja für Schriftstücke den Satz “Einer muss sich quälen, entweder der Autor oder der Leser.” Und so ist es auch bei einem Online-Shop in Magento. Ist der Betreiber des Shops fleißig, entsteht ein kundenfreundlicher Shop. Werden die Artikel so schnell wie möglich einfach mal irgendwie eingestellt, werden sich die Kunden nicht zurechtfinden und lieber in einem anderen Shop einkaufen.

Und die Moral von der Geschicht?
Magento ist ein wertvolle, mächtige Anwendung zum Aufbau von hochwertigen Online-Shops. Kombiniert man die Entscheidung für die Verwendung von Magento mit

  • einem fundierten Fachkonzept
  • erfahrenen Entwicklern
  • einer angemessenen Hardwarebasis
  • und ein wenig Fleiß beim Einrichten des Shops

hat man alles Erforderliche getan. Dann braucht man nur noch das Personal, das die eingehenden Bestellungen auch zuverlässig abarbeiten kann…und viel Platz auf dem Konto für das viele Geld, das dann eingehen wird. ;-)

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