Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 9 März, 2010
Das Buch “Modernes Webdesign”, Gestaltungsprinzipien, Webstandards, Praxis von Manuela Hoffmann ist Anfang 2010 in der 2. Auflage bei Galileo Design erschienen. Man braucht schon seine Zeit, bis man die 392 Seiten durchgearbeitet hat - aber es lohnt sich auf jeden Fall, und es lohnt sich auch für eine sehr große Zielgruppe.
Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 15 Juni, 2009
Wer viel im Web unterwegs ist und sich zumindest ein wenig auskennt, sieht viele Dinge, die er eigentlich nicht sehen möchte. Die Masse derartiger “Entdeckungen” hat mich dazu bewogen, mal wieder ein kleines “Gruselkabinett” anzulegen.
Denn aus Fehlern lernt man ja bekanntlich am meisten und sieht deutlich, was man unterlassen sollte. Diverse graue Striche sind natürlich im Original nicht zu sehen. Diese habe ich nur eingefügt, um die Screenshots so weit wie möglich zu anonymisieren, weil ich natürlich keinen Seitenbetreiber oder Webmaster persönlich angreifen oder an den Pranger stellen möchten. (weiterlesen…)
Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 24 März, 2009
Natürlich soll und kann man nichts verallgemeinern. Und was man hier und da mal erlebt, muss in anderen ähnlichen Situationen nicht genauso eintreten. Aber gewisse Tendenzen lassen sich im Laufe der Zeit erkennen, und um die soll es heute gehen.
An jeder Ecke werden WYSIWYG-Editoren oder Web-Baukästen angeboten, die suggerieren, dass der Aufbau einer Website ein Kinderspiel ist, für das keinerlei Programmierkenntnisse erforderlich sind. Das ist zwar nicht ganz falsch, aaaaber…. Dabei wird die Qualität des Ergebnisses außer Acht gelassen. Tools, so gut sie sein mögen, können die menschliche Arbeit und Intelligenz nur bedingt ersetzen.
Der Laie, der sich in der Webentwicklung nur rudimentär auskennt, ist allerdings nicht in der Lage, zwischen qualitativ hochwertigen und eher schlechten Seiten zu unterscheiden. Und so bewertet er Webseiten eher nach optischen Aspekten, denn von Usability, W3C-Standards oder Suchmaschinenoptimierung hat er ja noch nichts gehört.
Schaut man sich beispielsweise Webseiten von Vereinen an, sieht man ganz gut, was ich meine. Von Frames bis zu Content Management Systemen gibt es dort alles. Große Vereine können es sich mitunter sogar leisten, auf einen externen Dienstleister zuzugreifen. Andere können sich nur Seiten aus einem Baukasten leisten oder verzichten ganz auf einen Internet-Aufritt.
Glückliche Vereine finden jemanden in den eigenen Reihen, der sich mit der Materie auskennt und zum Nulltarif hochwertige Webseiten erstellt. Ob diese Vereine allerdings von ihrem Glück wissen, ist eine andere Frage. Ich habe es leider schon oft erlebt und auch von anderen gehört, dass die Arbeit des Web-Masters viel zu wenig geschätzt wird - weil die Qualität von den Laien eben nicht richtig bewertet werden kann.
Und wenn persönliche Befindlichkeiten dann auch noch wichtiger als die objektive Beurteilung eines Arbeitsergebnisses werden, ist der Absturz in die Mittelmäßigkeit nicht mehr zu verhindern. Den Vogel hat kürzlich ein Verein abgeschossen, der einen optisch ansprechende, W3C-konformen und suchmaschinenoptimierten Internet-Auftritt wegen dieser persönlichen Befindlichkeiten aus dem Netz genommen hat und nun mit einer Uralt-Version eines WYSIWIG-Editors drei rudimentäre und einige leere Seiten anbietet. Tabellenlayout, Formatierungen im html-Code, keine Fehlerfreiheit, Baustellenseiten und fehlende Umleitungen indizierter Seiten - für Profis absolute NO-GOs. Aber der Laie hat scheinbar wenigstens das Glück, dass er nicht merkt, wie er seinem Verein selber schadet.
Wer würde denn im realen Leben auf die Idee kommen, seine Schuhe zum Besohlen zum Metzger zu bringen? Und wer würde zum Maler gehen, wenn er ein Stück Sahnetorte braucht? Niemand, oder?
Was natürlich nicht heißt, dass der Maler nicht ein begnadeter Hobby-Bäcker sein kann, oder dass der Metzger handwerklich sehr geschickt ist. Aber wer sich in seiner Berufsausbildung und in der täglichen Praxis mit einer Materie beschäftigt, muss sich zwangsläufig besser auskennen als jemand, dem nur die Freizeit dafür verbleibt.
Behält man diese Aussagen im Hinterkopf, ist man sicher besser gerüstet, die verschiedenen Verlockungen im Web realistisch einzuschätzen.
Bis beispielsweise ein Online-Shop gut funktioniert, dauert es zwangsläufig eine gewisse Zeit. Und auch wenn man beispielsweise Magento als Grundlage auswählt, sind ein paar Mausklicks leider nicht ausreichend, um den Rubel rollen zu sehen.
Und selbst ein Blog hat so seine Tücken - wie ich gestern feststellen musste. Wunderbare Templates stehen da zur Verfügung, für die es im Backend eine Vielzahl an Konfigurationsmöglichkeiten gibt, die überwiegend auch für den Laien verständlich und nutzbar sind. Diese Möglichkeit wird aber mit erheblichen Nachteilen im Code erkauft. Denn dieser enthält in dem von mir betrachteten Beispiel unendlich viele Codezeilen zur Formatierung, die eigentlich in ein Stylesheet gehören. Dort können sie aber nicht stehen, weil sie php-Befehle enthalten, mit denen offenbar die Konfiguration ausgelesen wird. Bis die Spider der Suchmaschinen dann zum wirklichen Text des Blogbeitrags kommen, ist ihnen wahrscheinlich schon der Appetit vergangen.
Wenn es sich “nur” um einen Blog für die Freunde handelt, ist das noch nicht so schlimm, aber wenn ein Laie diese Vorlage verwendet, weil er ja gehört hat, dass Blogs bei den Suchmaschinen so hoch im Kurs stehen, wird er möglicherweise eine Enttäuschung erleben.
Also: Augen auf im Web, Köpfen einschalten, dies und das kritisch hinterfragen und Partner suchen, die sich wirklich auskennen.
Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 1 Dezember, 2008
Ich bin ja logischerweise beruflich und derzeit auch privat viel im Web unterwegs. Und das, was mir dabei negativ aufgefallen ist, möchte ich in Form von Hausaufgabenlisten für Webmaster vorstellen. Der erste Teil befasst sich mit der Entwicklung.
Gewohnheiten der Benutzer beachten
Die Benutzer entwickeln im Web gewisse Gewohnheiten, weil viele Features auf vielen Seiten vorkommen. Und mit der Zeit entwickelt sich dabei ein Quasi-Standard, der dann immer vorausgesetzt und erwartet wird. Wenn ich also ein Kontaktformular ausfülle und abschicke, erwarte ich eine Bestätigungsseite, die mir zeigt, dass das Absenden funktioniert hat. Wird mir stattdessen das Kontaktformular wieder in leerer Form angezeigt, bin ich zumindest unsicher, ob meine Nachricht tatsächlich versendet wurde. Möglicherweise probiere ich es dann erneut, so dass der Empfänger unter Umständen doppelte Mails bekommt. Wenn er wenigstens so helle ist und schnell antwortet, löst sich das Rätsel unter Umständen schnell. Ansonsten könnte aber auch hier eine mögliche Kundenbeziehung schon im Keim erstickt werden.
Bei 99 von 100 Foren kann man sich durch Eingabe seiner Daten registrieren und nach Bestätigung der Double-Opt-In-Mail sofort im Forum aktiv werden. Bei einem Forum kommt man ebenfalls zum bekannten Registrierungsdialog, allerdings nicht weiter. Denn kein Benutzername, den man eingibt, wird akzeptiert. Entweder ist er schon vorhanden oder vom Administrator gesperrt. Dass in diesem Forum die Registrierung nur per Mail an den Admin funktioniert, steht zwar irgendwo in den Regeln. Die liest man aber nicht, wenn man sich grundsätzlich in Foren auskennt, keine bösen Absichten hat und das aus den 99 anderen Foren gelernte nun als allgemeingültig voraussetzt.
Kompatibilität in allen gängigen Browsern prüfen
Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Websites es noch gibt, die ausschließlich für den Internet Explorer optimiert sind. Wann immer mir auf einer Webseite etwas spanisch vorkommt, sei es vom Layout oder wegen mangelnder Funktionalität, probiere ich das Ganze inzwischen automatisch im Internet Explorer aus. Und in vielen Fällen zeigt sich dort ein ganz anderes Bild: Die Seite hat plötzlich eine Kopfzeile, der Login-Bereich funktioniert oder beim Layout ist plötzlich alles in Ordnung. Leider kann man es als noch so gewissenhafter Web-Programmierer nicht verhindern, dass bei gewissen Browsern Abstriche gemacht werden müssen. Aber neben dem Internet Explorer muss zumindest auch im Firefox die volle Funktionalität gewährleistet sein.
Mailto-Links sinnvoll verwenden
Immer wieder klickt man auf Links und wundert sich, warum sich da nichts tut. Nach einer Weile stellt man dann erst fest, dass es sich um einen mailto-Link handelt und im Hintergrund ein Mailfenster geöffnet wird. Das dauert natürlich etwas länger, wenn das lokale Mailprogramm beim Klick geschlossen war.
Wenn ich in einer Navigation auf “Kontakt” klicke, erwarte ich eine eigene Seite, auf der die Kontaktdaten und ein Kontaktformular zu finden sind. Innerhalb der Kontaktdaten darf dann eine Mailadresse stehen, die mit mailto verlinkt ist. Wer mit mehreren Postfächern arbeitet, und nicht alle Mails von der Mailadresse aus schicken möchte, die im lokal installierten Mailprogramm eingestellt ist, hat damit zwar auch nicht die volle Freude, aber dafür kann der Webmaster ja wirklich nichts.
Dass natürlich Mailto-Links, wenn sie nicht z.B. mit TYPO3 gesetzt und gleich verschlüsselt werden, eine potenzielle Spam-Quelle darstellen, sollte ein weiteres Argument gegen die übermäßige Verwendung sein.
Diese Hausaufgaben sollten erledigt sein, bevor die Seite online gehen. Aber damit endet die Arbeit nicht. Welche Aufgaben bei der regelmäßigen Pflege der Seiten anfallen, folgt in einem separaten Beitrag.
Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 4 Juli, 2008
Während auf der einen Seite mit Web 2.0 die Web-Sites immer ansprechender und die Online-Shops immer benutzerfreundlicher werden, findet man auf der anderen Seite beim täglichen Stöbern im Web immer wieder krasse Verstöße gegen die Regeln der Web-Usability. Daas ein oder andere müsste einem ja fast schon der Hausverstand verbieten. Aber die Menschen sind verschieden, die Geschmäcker unterscheiden sich ebenso wie die Dinge, auf die der einzelne Wert legt.
Auf privaten Web-Sites kann ja noch jeder machen was er will, aber auf Firmen-Sites sollte man sich an gewisse Konventionen halten. Es sei denn, man möchte keine neuen Kunden gewinnen oder bestehende verlieren. Hier nun ein paar Usability-Regeln an Hand von Negativbeispielen. Sollte einer meiner Leser seine Site erkennen - nichts für Ungut. Nun wissen Sie wenigstens, wo dringender Verbesserungsbedarf besteht.
Konsistenz und Gewohnheit
Innerhalb einer Website sollte Konsistenz herrschen, d.h. gleiche Elemente müssen auf jeder Seite an der gleichen Stelle stehen. Dies gilt ganz besonders für die Navigation, die zu den wichtigsten Orientierungshilfen des Benutzers zählt. Sie muss immer an der gleichen Stelle stehen und immer die gleichen Inhalte haben. Und so “hip und cool” das Web 2.0 auch sein mag, die Benutzer sind an gewisse Konventionen gewöhnt. Manche Elemente wollen sie einfach auf jeder Web-Site in gleicher Form wieder finden. Das folgende Beispiel hat hier einiges zu bieten. Das linke Bild zeigt die Navigationsleiste der Startseite, das rechte Bild die einer der Unterseiten:
Was fällt auf?
Die Navigationssymbole sind ungewöhnlich. Die Idee, für eine Hausverwaltung Klingelknöpfe als Navigationshintergrund zu verwenden, ist zwar nicht sooo schlecht, aber etliche Benutzer werden damit Probleme haben. Der Link befindet sich nämlich tatsächlich nur hinter dem Knopf und nicht auf dem gesamten Kästchen. Benutzer, die mit der Maus nicht ganz zielsicher sind und auch nicht wissen, dass sich ein Link nur dort verbirgt, wo der Cursor zur Hand wird, haben Schwierigkeiten, die Unterseiten aufzurufen.
grafisch ist natürlich einiges im Argen, von Texten, die über die Flächen ragen bis zum spiegelverkehrten unteren Bild
Die Navigation ändert sich auf den Unterseiten. Es scheint mir so, dass die Navigation hierarchisch aufgebaut ist. Wenn ich also den 3. Link von oben auf der Startseite anklicke, werden der 1. und der 2. Link von der Startseite weggelassen.
Es gibt keinen sichtbare Navigation zurück auf die Startseite. Dass sich dieser hinter “Übersicht” verbirgt, wird nur per Zufall klar.
Der Navigationspunkt “Kontakt” verändert sich als einziger beim Mouse-Over…und dann gleich sooo schön ;-). Warum ist das so? Möglicherweise, weil der Link die Website verlässt und sich ein Mailfenster öffnet. Aber wirklich intuitiv ist es nicht.
Schrift und Hintergrund
Schwarzer Text auf weißem Hintergrund, so wie es das Auge von gedruckten Werken gewöhnt ist, sollte auch im Web vorherrschen. Und wenn schwarz nicht gefällt, dann sollte es wenigstens eine dunkle Farbe sein, so dass ein ausreichend hoher Kontrast zum Hintergrund besteht. Grelle Schriften sind ebenso tabu wie grelle, dominante oder unruhige Hintergründe. Auch bewegter Text ist ein Relikt aus der Vergangenheit. Heute ist das Angebot an Waren und Dienstleistungen im Web so groß, dass die Benutzer unkomfortable Sites sehr schnell verlassen. Der erste Eindruck ist im Web überaus entscheidend, denn der Benutzer nimmt sich weniger als eine halbe Minute Zeit, um eine Seite zu betrachten und daraus auf den Wert der ganzen Site zu schließen.
Womit vergrault man seine Besucher also ziemlich sicher? Mit folgenden Kombinationen von Schrift und Hintergrund:
Menüs
Wenn es um die Gestaltung der Navigation geht, sind einige Vorüberlegungen nötig. Denn Menüs, die aufklappen, sollten nicht mehr als zwei Ebenen aufweisen. Wenn es gar nicht anders geht, kann im Ausnahmefall mal eine 3. Ebene sein. Aber dann muss wirklich Schluß sein, weil sich die Benutzer einfach nicht mehr zurechtfinden werden. Bei ausklappenden Menüs ist zudem ein gewisses Geschick mit der Maus erforderlich, um in die nächste Ebene zu gelangen. Das bedeutet umgekehrt, dass die Menüs hier eine gewisse Toleranz aufweisen sollten. Bei seitlich ausklappenden Menüs muss man auch bedenken, dass sie sich über den Inhalt legen. Dieser ist dann nicht mehr sichtbar, und andersherum kann der Hintergrund auch die Lesbarkeit des Menüs beeinträchtigen.
Aber auch in diesem Bereich gibt es Sachen, die es eigentlich nicht geben sollte:
Das soll für heute zum Thema Usability reichen. Aber zu diesem fast unerschöpflichen Thema gibt es demnächt sicher noch weitere Beiträge.
Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 27 Juni, 2008
Der Relaunch einer Web-Site steht an. Ein paar Ideen und Wünsche bringt unser Auftraggeber sicher mit, aber dann ist es die Aufgabe der Internet-Agentur, eine sorgfältige Anforderungsanalyse durchzuführen und ein schlüssiges, kundenfreundliches Konzept für die neue Site zu entwickeln. Wie geht man dabei am besten vor?
Die Beteiligten Zunächst sollte man sich verinnerlichen, dass es mindestens drei beteiligte Parteien gibt:
den Auftraggeber
die Agentur
die aktuellen und potenziellen Kunden des Auftraggebers
Mehr Parteien kann es geben, wenn die genannten Gruppen weiter unterteilt werden müssen. So kann es beim Auftraggeber mehrere Stakeholder oder auch mehrere Kundensegemente geben, die unterschiedliche Anforderungen haben.
Auf jeden Fall sind die Kunden des Auftraggebers die wichtigsten. Zwar sollte die neue Site dem Auftraggeber gefallen, und auch die Agentur sollte sich wohl damit fühlen. Aber am allerwichtigsten ist, dass sie den Kunden des Auftraggebers gefällt und dass sie dort die vom Auftraggeber gewünschten Aktionen durchführen. Also müssen wir von der Agentur in ein anderes Paar Schuhe steigen, um hier ein optimales Ergebnis zu erzeugen. Welche Schuhe stehen da zur Auswahl?
Auftraggeber im B2C-Bereich
Nehmen wir zunächst den etwas geläufigeren Fall an, dass der Auftraggeber (immer aus Sicht der Agentur) im B2C-Bereich tätig ist, also an Endverbraucher verkauft oder diese bedient. Dann kann es für mich als Autor der Anforderungsanalyse und des Konzepts drei Unterfälle geben: Ich bin Kunde In diesem einfachsten Fall bin ich tatsächlich schon Konsument der Produkte oder Dienstleistungen des Auftraggebers. Ich kenne das Angebot, kenne die Anwendungsfälle, habe meine Meinung dazu und auch Wünsche an die Präsentation im Web. Dann kann ich die Site erstmal so konzipieren, wie sie mir gefallen würde. Vielleicht habe ich auch schon mit Verwandten und Freunden über den Auftraggeber und sein Angebot gesprochen und kann deren Meinung ebenfalls berücksichtigen. Anschließend sollte ich dennoch kurz aus meinen Schuhen heraustreten und überlegen, ob es andere Kundensegmente gibt, die möglicherweise andere Bedürfnisse haben, die auch berücksichtigt werden sollten.
Angenommen, die Website ist für ein Busunternehmen. Dann bevorzugen berufstätige Kunden sicher die Online-Buchung, während ältere Menschen sich vielleicht im Web vorab informieren, dann aber doch lieber telefonisch oder sogar persönlich buchen. Dazu sollten ihnen die Kontaktdaten und die Dienstzeiten mitgeteilt werden.
Ich könnte Kunde werden
Im zweiten Fall bin ich zwar privat noch nicht Kunde des Auftraggebers, könnte es aber werden. Da stellt sich die Frage, was passieren müsste, damit ich diesen Schritt tue, also welche Informationen und Angebote ich bräuchte, um zu kaufen oder zu beauftragen. Danach ist auch hier wieder der Schritt aus den Schuhen ratsam, mit dem man überlegt, wie andere Menschen in der gleichen Situation denken könnten. Und als nächstes muss ich für das Konzept hier virtuell in die Schuhe der aktuellen Kunden steigen und mir vergegenwärtigen, welche Anforderungen sie an die neue Website stellen würden.
Ich kann nie Kunde werden
Der schwierigste Fall ist der, dass ich ein Konzept für eine Website entwickeln muss, die ich selber nie nutzen kann. Auch wenn nichts unmöglich ist, wäre es wohl eher unwahrscheinlich, dass ich nochmal in die “Verlegenheit” komme, eine Kinderseite selber zu nutzen…. Aber auch hier gibt es natürlich Mittel und Wege, zum Ziel zu kommen. Erstens natürlich, in die Schuhe der Kunden zu wechseln und die Analyse aus deren Blickwinkel durchzuführen. Zweitens aber auch, zu überlegen, ob ich nicht indirekt Kunde werden könnte. Denn auch wenn ich selber und alleine keine Kinderseite nutzen würde, könnte ich dennoch zusammen mit einem Kind tun. Oder vielleicht kenne ich jemanden, der mir als potenzieller Kunde erscheint und dem ich die Site empfehlen würde, wenn sie denn gut gemacht ist. Und über solche “Umwege” komme ich bestimmt zum Ziel, ein gutes Konzept für die neue Website zu erstellen.
Auftraggeber im B2B-Bereich
Dieser Fall hat viel mit dem letztgenannten Fall aus dem B2C-Bereich zu tun. Hier ist es wichtig, sich zunächst in die Welt des Auftraggebers einzulesen und einzudenken. Dabei helfen vielleicht die Inhalte der bisherigen Website, und sicher stellt der Auftraggeber gerne auch weitere Dokumente zur Verfügung, damit die Konzeptionierer ein Gespür für seine Produkte und sein Angebot und somit auch die Situation seiner Kunden bekommen. Und manchmal ist es auch gar nicht schlecht, wenn ein Externer Fragen stellt, die in der internen Betriebsblindheit schon längst untergegangen sind. Denn solche Fragen sind keineswegs dumme Fragen, sondern regen auch die Insider manchmal zu neuen Gedankengängen an, die neue Aspekte und Ideen auf den Tisch bringen können.
Noch was zur Zielgruppe
Neben der Ermittlung der Zielgruppe sollte man sich für das Konzept auch Gedanken machen, in welcher Situation die Besucher eine Website aufsuchen. Denn wer dies zum Zweck der Unterhaltung tut, hat ganz andere Erwartungen als jemand, der ein akutes Problem hat, auf das er dringend eine Lösung sucht. Wenn das Wasser beispielsweise nach einem Rohrbruch schon von der Decke rinnt, möchte sicher niemand die Firmengeschichte des Installateurs lesen und Videos seiner Referenzen betrachten, sondern nur schnell herausfinden, ob es eine 24-Stunden-Hotline gibt.
Fazit
Nicht für uns, die Agentur, konzipieren und bauen wir Websites, sondern für unseren Auftraggeber und dessen Kunden. Und deren Bedürfnisse müssen immer individuell analysiert und befriedigt werden. Wer bereits ist, die Schuhe zu wechseln und auch mal quer zu denken, der wird sicher mit Erfolg und Kundenzufriedenheit auf allen Seiten belohnt werden.
Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 9 Juni, 2008
Wie in meinem Einführungsbeitrag zur Barrierefreiheit versprochen, hier nun ein paar konkrete Tipps, wie man beim Design und bei der Programmierung von Web-Seiten zumindest einige Barrieren umgehen kann. Das Schöne daran ist, dass man mit einer Maßnahme gleich mehrere “Fliegen erschlagen” kann, dass es also mehrere Nutznießer und positive Effekte gibt.
Der erste Schritt auf dem Weg zur neuen Web-Site liegt darin, eine Seiten- und Navigationsstruktur zu erarbeiten. Hierbei gehen natürlich Usability und Barrierefreiheit Hand in Hand, denn eine schwer verständliche Struktur stellt ganz klar eine Barriere dar. Der Aufbau der Site muss logisch und klar strukturiert sein, und zwar nicht nur für den Firmen-Insider, sondern auch für den Besucher, der mit dem Portfolio oder der Firmen-Terminologie nicht auf Du und Du ist. Die Informationen sollten ihm häppchenweise angeboten werden, vom Allgemeinen zum Speziellen gehend. Der Benutzer sollte also zunächst abschätzen können, welche Informationen vorhanden sind. Dann hat er die Wahl, zu entscheiden, wo er im Detail weiterlesen möchte. Nach dieser Logik sollten beispielsweise in pdf-Dateien nur sehr spezielle Detailinformationen enthalten sein, die sich nicht in HTML darstellen lassen. Denn pdf-Dateien sind für Screenreader und somit Sehbehinderte Menschen nur sehr eingeschränkt zugänglich.
Einen guten Überblick bietet eine Sitemap, die für Menschen und auch Suchmaschinen zum Standardangebot gehören sollte. Je nach Zielgruppe, Thema und Seitenstruktur können auch spezielle Hilfeseiten nützlich sein. Ob sie nun Hinweise für die Benutzung der Seite enthalten oder häufig gestellte Fragen auf einen Blick beantworten - erlaubt ist alles, was die Benutzung erleichtert.
Im Rahmen der Strukturierung sollte man sich auch immer mal wieder den Spruch “Weniger ist mehr” zu Herzen nehmen, und weder die Seiten selber noch die Navigationspunkte überladen. Es gibt ja verschiedene Untersuchungen, wieviele optische Eindrücke Menschen auf einmal wahrnehmen können. Demnach sollte eine Navigation nicht mehr als 7 Unterpunkte aufweisen. Werden es wesentlich mehr, ist das ein Hinweis darauf, dass eine weitere Unterteilung sinnvoll ist.
Der nächste Schritt auf dem Weg zur neuen Website besteht in der Entwicklung des Layouts. Eine Regel sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber trotzdem findet man immer wieder Abweichungen davon: Gleiche Elemente sollten auf den unterschiedlichen Seiten immer gleich gestaltet werden, damit der Benutzer einmal erworbenes Wissen auf der gesamten Web-Site anwenden kann und sich nicht jedes Mal wieder neu orientieren muss.
Der Einsatz von Farben und die Farbwahl an sich sind ein komplexes Thema, über das sich trefflich streiten lässt, da ja auch die Geschmäcker verschieden sind. Klar ist, dass die Kontraste zwischen Hintergrund und Vordergrund ausreichend groß sein müssen. Dies ist ja auch ein wichtiges Kriterium für die Suchmaschinen, die durch die Messung des Kontrasts Black-Hat-SEOs ausschließen möchten, die den berühmten weißen Text auf weißem Grund verwenden, der nur von Suchmaschinen im Code gelesen, aber nicht von den menschlichen Besuchern erkannt werden kann.
Farbleitsysteme sind für normalsichtige Web-Surfer oftmals eine feine Sache. Allerdings sollte die Farbe nicht das einzige Mittel sein, das die Bedeutung trägt.
Sehr wichtig für eine Website sind natürlich auch die Texte und die dafür verwendeteSprache. Hier finden alle Seiten besondere Anerkennung, die eine klare und einfache Sprache aufweisen können. Selbst komplizierte Sachverhalte lassen sich einfach darstellen - wenn der Autor nur will. Denn bekanntermaßen muss sich beim Text immer einer anstrengen, entweder der Autor oder der Leser. Da aber gerade im Web jeder Leser die Wahl zwischen vielen verschiedenen Seiten hat, wird er sich nicht sehr lange mit einem schwer verständlichen Text plagen, sondern die Seite schnell verlassen.
Linktexte sollten immer sprechend und individuell sein. Enthält eine Seite mehrere Teaser-Texte mit den berühmten “mehr”-Links, so liest ein Screenreader natürlich immer nur diesen Text vor, und der bedauernswerte Benutzer verliert zwangsläufig den Überblick über die Links. Und auch die Suchmaschinen können mit “mehr” oder “weiterlesen” auch nicht wirklich viel anfangen, denn sie gehen davon aus, dass sie darüber zu einem Text zum Thema “mehr” oder “weiterlesen” kommen. Hier wird also wertvolle Link-Power verschenkt.
Ähnlich verhält es sich auch mit Bildern, die sowohl blinde Benutzer als auch Suchmaschinenspider nicht erkennen können. Deshalb sollte das Alt-Tag das beschreiben, was Normalsichtige auf dem Bild sehen und was sie dabei denken (sollen). Bilder, die keine Bedeutung tragen (z.B. Trennlinien), benötigen natürlich kein Alt-Tag und sollten auch keines bekommen, da dies den Vorlesefluss der Screenreader unnötig unterbrechen würde.
Und - last but not least - die Programmierung. Auch hier lassen sich einige Maßnahmen im Dienste der Barrierefreiheit für Menschen mit der Suchmaschinenoptimierung verbinden. An erster Stelle steht valider Code, Code also, der die Prüfung des W3C besteht, den Regeln entspricht und von allen Browsern ohne eigene Interpretationen angezeigt werden kann.
Bei der Programmierung ist ebenfalls wichtig, Gestaltung und Inhalte zu trennen, also nicht nur alle Formatierungen in CSS-Dateien auszulagern, sondern auch die Standardelemente wie <h1>, <h2> usw. zur Strukturierung zu verwenden. Denn nur so wissen Screenreader und Suchmaschinen, wo sie eine wichtige Überschrift finden, was ihnen bei individuellen div-Tags im Style Sheet nicht möglich ist.
Um schließlich den Benutzern die Freiheit zu geben, die Seite entsprechend ihrer Sehstärke zu skalieren, müssen alle Größenangaben relativ sein, also in % oder em und nicht in px. Und auch die Freiheit, den Lautsprecher abzuschalten, sollte nicht dazu führen, dass Warnungen untergehen. Wenn also auf der Webseite vor irgendwas gewarnt oder auf ein akutes Ereignis hingewiesen werden soll, muss dies sowohl akustisch als auch optisch erfolgen.
So schwierig ist es also nicht, zumindest barrierearme Webseiten zu erstellen, oder? Wer sich die Maximierung des Nutzens ihrer Kunden zum Ziel setzt und alles auch aus der Sicht seiner Kunden betrachtet, ist auf dem besten Weg zu einer barrierearmen Website mit hoher Usability.
Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 6 Juni, 2008
Neja, wenn er ausdauernd und findig genug ist und wirklich großes Interesse daran hat, sein Ziel zu erreichen. Denn während der Kollege gestern Erotisches am Morgen erleben durfte, gab es bei mir eher Ernüchterndes am Morgen.
Es fing damit an, dass mein Virenscanner nach der länglichen internen Virenprüfung den Rechner doch nicht ausgeschaltet hat, obwohl er mir diese Option angeboten hat und ich auch das zugehörige Feld angekreuzt hatte. Is’ wie’s is, dachte ich mir, und vielleicht gar nicht so schlecht, denn beim Aufwachen kam mir eine Idee für die Gestaltung eines regenanfälligen Samstags, die ich kurz im Internet prüfen wollte.
Die Aufgabe für den (unfreiwilligen) Usability-Check lautete: “Finden Sie Informationen zum Knappenweg in Bad Häring.”
Die Frage, ob es nun www.bad-haering.at, www.badhaering.at oder www.haering.at sein würde, nahm mir der gute Google noch zuverlässig ab. Und dann? Willkommen auf einem großen Hintergrundbild mit Flash-Intro und einem kaputten Bild!
Gratulation, liebe Bad Häringer, zum ersten Schlecht-Zetterl auf dem nach oben offenen Schlecht-Zetterl-Stapel. Aber immerhin gibt es einen “Skip Intro” Link. Aber auch der beschleunigt die Sache leider nicht wirklich, zumal meine Internet-Verbindung momentan wohl noch von Frühjahrsmüdigkeit geplagt wird. Aber um auf dem Weg ins Büro nicht zu viel Zeit zu verlieren, gehe ich erstmal Zähne putzen. Und danach bin ich dann wirklich in Bad Häring…auf einer eher altbackenen Seite, die so gar nicht zur Einstiegsseite passen will. Aber egal, denn meine müden Augen sehen eine Link “Themenwanderungen”. Treffer, versenkt, Klick und ab.
Aber was passiert jetzt? Mein Firefox öffnet einen neuen Tab, obwohl ich doch ganz normal die linke Maustaste benutzt habe? Des Rätsels Lösung: Es war kein echter Navigationspunkt, sondern ein externer Link, der mich zur Site des Ferienlands Kufstein bringt.
Bis die Zielseite dann vollständig geladen ist, habe ich meinen Frühstückstisch gedeckt. Vielleicht hätte ich auch schon einen ersten Bissen nehmen sollen, als Stärkung für das bevorstehende Abenteuer - um nicht zu sagen die Schnitzeljagd durch die Ferienland-Site, bei der die Schnitzel fehlen….
Statt eines Deep-Links auf die Themenwanderungs-Seite lande ich nämlich auf der Startseite, die weder im Contentbereich noch in der Randspalte einen Hinweis auf die Themenwanderungen enthält.
Also Navigation durchsuchen. Aber auch da gibt es keinen Eintrag, der sich als heißer Tipp für mein Anliegen anbietet. Vielleicht bin ich wegen des noch ausstehenden Frühstücks ein wenig zittrig mit der Maus? Es ist jedenfalls nicht leicht, die Navigation aufzuklappen und so lange aufgeklappt zu halten, bis man den gewünschten Unterpunkt ausgewählt hat. Barrierefreiheit für motorisch eingeschränkte Menschen ist das also sicher nicht.
Normalerweise hätte ich die Suche jetzt abgebrochen, aber vielleicht inspiriert mich ja der Spürsinn der Rosenheim Cops, doch noch nicht aufzugeben? Ich entscheide mich also für Region & Orte - Sehens- & Erlebenswertes. Und nach drei Umdrehungen des Mausrades - hurra! - finde ich “Themenwanderwege im Ferienland” mit einem Bild der Bergknappen und dem 23. mehr-Link auf der Seite…. Der Schlecht-Zetterl-Stapel für die Barrierefreiheit wächst weiter.
Na wenigstens finde ich den gesuchten Themenweg dann an erster Stelle der Liste auf der nächsten Seite. Ein weiterer Klick auf einen der 7 erfahren Sie mehr-Links…. und endlich habe ich die gesuchten Informationen gefunden. Ausgangspunkt Kirche, 11 Station, 2 Stunden. Und die Stationen sind sogar mit Bild und Text beschrieben. Aber was ist das? Halb hinter den Bildern steht noch ein Text.
Haben wir mal wieder für den IE optimiert und sollen doch die Firefox-User wandern wo sie wollen, nur nicht im Ferienland Kufstein? Schaut wirklich so aus, denn zu jeder Station gibt es ein pdf zum Download, der im IE fein säuberlich unter dem Bild steht. Für mich gibt es allerdings nichts, denn wo Download steht, ist leider kein Download dahinter- egal wie bereitwillig ich meine Maus kreisen lasse. Ganz unten im IE (und nur dort) findet meine Maus dann endlich den Gesamtfolder zum Download. Wie ging noch das Topfschlagen beim Kindergeburstag? Aber da hat wenigstens jemand helfen “kalt”, “wärmer” oder “heiß” gesagt, während der Kandidat mit verbundenen Augen auf dem Boden rumgekrabbelt ist.
Ende gut, alles gut? Für den Knappenweg schon, aber einen hab’ ich noch - natürlich für den Schlechtzetterl-Stapel. Der Kulturrundgang durch Kufstein ist im Firefox auch schwer verdaulich, mit Text über Text und Text über Bild.
Und je zwei weitere Klicks muss ich tun, um zu erfahren, dass zwei der Themenwege von der Übersichtsseite erst Ende des Jahres bzw. nächstes Jahr eröffnet werden. Schade, da haben die Macher der Webseiten einiges an Potenzial verschenkt. Denn eine Zwischenüberschrift “Wir bauen für Sie an folgenden Themenwegen” hätte Aktivität und Touristenfreundlichkeit ausgedrückt. So fühle ich mich aber eher auf den Arm genommen.
Und die Moral von der Geschicht’? Was ich vor kurzem über Tourismusverbände im Web geschrieben habe, gilt nicht nur für Kärnten, sondern in diesem Fall auch für meine Freunde in Tirol. Aber da ich ja ein unerschütterlicher Tirol-Fan bin, werde ich den traditionellen Weg beschreiten und vor dem Einstieg in den Themenweg beim Tourismusverband vorbeischauen und mir die gedruckten Broschüren besorgen.
Gepostet in Webdesign durch Marion Engel am 2 Juni, 2008
Manche müssen barrierefreie Webseiten anbieten, andere wollen es gerne und wieder andere behaupten, es zu tun, auch wenn es nach genauerer Prüfung manchmal gar nicht stimmt. Und meist wird hier vorrangig an Blinde gedacht, die sich die Seiten mit einem Screenreader vorlesen lassen. Aber eine Sehbehinderung ist längst nicht die einzige Barriere, die zwischen Mensch und Webseite steht. Was also verhindert einen uneingeschränkten Zugang zu den Webseiten?
Sehbehinderungen
Beginnen wir mit den Sehbehinderung, um klarzustellen, dass es bereits in diesem Bereich verschiedene Ausprägungen gibt. Hier gibt es die bereits genannte Möglichkeit, sich den Text durch einen Screenreader vorlesen zu lassen. Ist noch eine begrenzte Sehkraft vorhanden, kann es auch reichen, die Seiten bzw. vorrangig die Texte mehr oder weniger stark zu vergrößern. Dann gibt es noch Menschen, die mit kleinen Texten keine Schwierigkeiten haben, aber Farben nicht oder schlecht unterscheiden können, seien es alle Farben oder besonders die Unterschiede zwischen rot und grün.
Einschränkung des Hörvermögens
Auf der einen Seite gibt es Menschen, die taub sind und nicht hören können. Es gibt allerdings auch Hörende, die für das Internet taub sind, da sie den Lautsprecher des Rechners abgeschaltet haben.
eingeschränkte Beweglichkeit
Nicht alle Internet-Nutzer können 10 Finger zum Tippen benutzen oder mehrere Tasten gleichzeitig drücken. Manchen ist es nicht möglich, die Maus zu fassen und sicher auf ein Element zu führen.
begrenztes Aufnahmevermögen
Es kann sein, dass die Konzentration der Web-Besucher im Laufe der Zeit abnimmt, es kann auch sein, dass sie aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage sind, komplexe Zusammenhänge oder komplizierte Texte zu verstehen.
technische Einschränkungen
Diese betreffen nicht die Person, die vor dem Rechner sitzt, sondern den Rechner selber. So gibt es trotz DSL & Co noch immer Web-Benutzer, denen nichts anderes übrig bleibt, als über eine langsame Modem-Verbindung ins Internet zu gehen. Andere verzichten darauf, ständig neue Browser-Updates oder zusätzliche Programme zu installieren.
Eine ganze Menge unterschiedlicher Barrieren, die unterschiedliche Maßnahmen erfordern. Angesichts dieser Vielfalt denkt vielleicht mancher Website-Betreiber, dass die Menschen, die die genannten Einschränkungen aufweisen, sowieso nicht zu seiner Zielgruppe gehören, spezielle Maßnahmen also nicht erforderlich sind. Denkt man allerdings ein wenig weiter, stellt sich heraus, dass das eine Täuschung ist. Denn mit dem Abbau von Barrieren steigt der Nutzen der Web-Site auch für alle anderen Benutzer. Und in dieser Gruppe der Benutzer finden sich auch die Spider der Suchmaschinen, die ja beispielsweise für Bilder blind sind. Und auch wenn keine Behinderung vorliegt, wird der Benutzer eine gut strukturierte Web-Site mit verständlich formulierten Texten sicher höher schätzen als einen Ansammlung an Seiten, in der man sich nur schwer orientieren kann. Und Texte, die schwer zu lesen sind, wird man im Web noch viel schneller verlassen als im Print-Bereich.
Was lernen wir daraus? Von den Forderungen der Barrierefreiheit kann sich jeder Web-Site-Betreiber eine Scheibe abschneiden. Wie dick diese Scheibe sein muss, hängt von der Site, dem Thema und der genauen Zielgruppe ab.
Konkrete Tipps hierzu folgen in Kürze in einem separaten Beitrag.
Bevor einer eine Reise tut, kann er im Web schon einiges erleben - wenn er nämlich dort seinen Urlaubsort finden möchte. Ich dachte, das wäre eine leichte Aufgabe, da das Land (Österreich) und das Bundesland (Kärnten) bereits feststanden und nur noch ein Ort gefunden werden musste, der interessant in den Bergen liegt.
Die erste Idee, einmal auf www.kaernten.at nachzusehen, war zwar nicht schlecht, hat mich aber letztendlich nicht wirklich weitergebracht. Schnell habe ich zwar auf der ersten Seite einen Menüpunkt “Wandern” gefunden, aber dann? Eine neue Navigation und auf der folgenden Ebene mehrzeilige Navigationspunkte, bei denen kein Anfang und kein Ende erkennbar ist.
Dazu viel, viel Text und ein paar Image-Fotos, aber keine visuelle Möglichkeit zur Orientierung für einen nicht sooo landeskundlichen Menschen.
Also doch erstmal “back to the roots”, Stöbern im eigenen Bücherschrank und erste Orientierung auf der Landkarte und in früher einmal gesammelten Prospekten. So waren dann doch ziemlich schnell zwei Gebiete herausgearbeitet: Mölltal oder Maltatal. Welches von den beiden das Bessere wäre, sollte nun wieder das Web entscheiden - und hat es auch. Ob die Entscheidung richtig war, wird sich allerdings erst nach dem Urlaub und dem Lokalaugenschein endgültig beantworten können.
Unter www.moelltal.at finde ich zwar endlich eine Karte, allerdings eine topografische Karte ohne jegliche Infrastruktur wie Straßen oder Ortsnamen.
Lediglich die Bezirksnamen erscheinen beim Mouse-Over. Alternativ kann man noch eine Auswahl in der Gemeindeliste vornehmen. Hmm, welche Gemeinde nehmen wir denn da? Da ich ja geduldig bin, klicke ich mich durch und nutze auch die Links auf die einzelnen Gemeinden. Aber letztendlich gewinne ich den Eindruck, dass das Mölltal nicht wirklich um mich als Tourist wirbt. Das vielleicht für Tirol übliche touristische Angebot fehlt, und eine Kontaktaufnahme scheint eher unerwünscht zu sein. Es gibt keinen Link “Prospekte anfordern”, und es gibt auch kein Kontaktformular. Und mich aufdrängen und eine Mail irgendwo an die Gemeinde schreiben möchte ich dann doch nicht.
Also bleibt das Maltatal übrig. Nachdem hier meine Anfrage über das Kontaktformular rasch beantwortet wurde, stehen die Chancen gut, dass ich meinen Urlaub auch wirklich dort verbringen werde.
Und was lernen wir daraus? Ich würde Tourismusverbänden und ihren Web-Agenturen folgende Ratschläge mit auf den Weg geben:
In die Schuhe des Interessenten steigen
Natürlich kennt man als Einheimischer seine Region und seinen Ort ganz genau. Aber der Tourist? Ist es ein Stammgast, trifft es sicher zu. Aber dann wird er sowieso immer wieder in seinem Stammquartier buchen und sich nicht neu im Internet informieren. Aber die neuen, noch unentschiedenen Touristen brauchen Informationen, die zunächst auf einer übergreifenden Ebene anfangen und dann Zugang zu immer genaueren Informationen geben. Für sehr geeignet halte ich da zunächst eine Übersichtskarte, die die Lage der Region im Bundesland zeigt und danach die einzelnen Orte im Tal, kombiniert beispielsweise mit Bergen oder wichtigen touristischen Punkten. (Zwar sind Übersichtskarten von Haus aus nicht barrierefrei, aber das ist ein Thema, das ich in Kürze gesondert aufgreifen werde.)
Zu diesen touristischen Punkten sollte es dann eine Beschreibung und gerne auch ein paar Bilder geben.
Kontaktaufnahme erleichtern
Ein Kontaktformular ist ganz einfach ein Muss, wenn man den Webseiten-Besucher als Kunden gewinnen möchte. Denn was kann ohne Kontaktformular passieren? Auf dem Rechner des Benutzers ist kein Mailprogramm eingerichtet, weil sich seine Mailbox bei einem Freemailer befindet. Also kann kein neues Mailformular geöffnet werden, und er müsste die Zieladresse manuell übertragen. Vielleicht hat er zwar ein Mailprogramm, möchte aber diese Adresse nicht verwenden. Vielleicht hat er auch schlichtweg keine Lust, erst eine ausführliche Mail zu formulieren. Und sofern es sich nicht um ein absolut exklusives Nischenangebot handelt, dass genau die Wünsche des Benutzers trifft, wird er sich dann schnell einer anderen Site zuwenden.
Der Tourismusverband kommt also mit einem Kontaktformular nicht nur seinen Interessenten entgegen, sondern kann auch eine gewisse Steuerung vornehmen. Er kann Auswahlfelder anbieten, um die Anfragen zu kategorisieren, die Antworten zu optimieren und so letztendlich den Kunden für sich gewinnen.
Prospekte bestellen
Man kann zwar viele Informationen im Web anbieten, aber das gedruckte Papier hat damit nicht ausgedient. Gerade beim Urlaub möchte man ja meist nochmal in Ruhe überlegen, vielleicht mal was herzeigen oder mitnehmen. Auf der anderen Seite steht natürlich ein gewisser Gedanke an die Umwelt, Stichwort Papier sparen. Daraus leite ich folgende Tipps ab:
Alle vorhandenen Prospekte und Dokumente werden in einer Liste angezeigt.
Alle Dokumente gibt es zum Download, d.h. man kann sich den Inhalt zunächst online ansehen, entscheiden, ob es das Gesuchte ist und wenn ja, ob man es selber ausdrucken kann oder will oder ob man tatsächlich die Originalversion benötigt.
Regeln für die Prospektbestellung werden von Anfang an klar dargestellt. Manche Anbieter verschicken nur eine bestimmte Zahl an Prospekten. Dies merkt man aber erst an Hand einer Fehlermeldung, die beim Überschreiten dieser Grenze erscheint. Wer nach dieser “Unfreundlichkeit” an der Prospektbestellung festhalten will, darf dann die gesamte Liste nochmal durchgehen, eventuell einen weniger interessanten Prospekt streichen, um wenigstens die besten Dokumente zu erhalten. Vielleicht könnte man ja auch mit einer zweiten Bestellung tricksen?
Die Bestätigungsseite, die nach Absenden der Prospektanforderung erscheint, bietet übrigens ein oft ungenutztes Potenzial, einen positiven Eindruck beim Besucher zu hinterlassen und ihn noch eine Weile länger auf der Site zu behalten.
Quartierbuchung
Eine Liste der Quartiere bietet fast jeder Tourismusverband. Aber auch hier liegen oft Welten zwischen den Angeboten. Von einer einfachen Liste, in der auf den ersten Blick weder die Art des Quartiers noch weiterführende Links ersichtlich sind bis hin zu Online-Kalendern mit Angabe der Verfügbarkeit ist alles im Angebot. Natürlich unterscheiden sich der einmalige und der regelmäßige Pflegeaufwand bei den Varianten. Aber meist wird der Aufwand in Summe gleich bleiben, jedoch mit unterschiedlichen Erfolgsquoten. Eine alphabetisch sortierte Liste, in der man erst den Link suchen muss, um nach einem Klick zu erfahren, um welche Art Quartier es sich handelt und die nur eine sehr bedingte Vorauswahl an Hand von Preis und Lage anbietet, hat meines Erachtens wenig Erfolgschancen. Sehe ich allerdings bereits im Internet, ob das Quartier zu meinem Wunschtermin noch frei oder bereits belegt ist, kann ich meine Anfragen zielgerichtet absenden. Und das spart auf der anderen Seite den Vermietern auch etliche Anfragen, die mit einer Absage beendet werden müssen. Allerdings müssen die Daten zuverlässig sein, und es sollte eine Möglichkeit geben, Privatvermietern, die vielleicht selber keinen Internet-Anschluss haben, trotzdem die Teilnahme zu ermöglichen. Ansonsten sollte wenigstens klar darauf hingewiesen werden, dass es neben den teilnehmenden Vermietern weitere Quartiere gibt, die auf Anfrage Auskunft über die Verfügbarkeit geben.
Aktualität
Da schon nichts älter als die Zeitung von gestern ist, ist auch nichts schlimmer als nachweislich veraltete Web-Inhalte. Was ist von folgendem Angebot zu halten, das ich heute (29.5.2008!) aus dem Web gefischt habe?
Bei C&A gab es kürzlich mal eine Aktion, bei der man noch in DM bezahlen konnte, aber ob das hier wohl auch so gedacht ist? Das erinnert mich eher an einen peinlichen Fall, als ich mal mit einem etwas älteren Prospekt auf Quartiersuche gegangen bin und dann erfahren musste, dass das gewünschte Quartier nicht mehr besteht, weil die Vermieterin zwischenzeitlich verstorben war….
Also, aktuell muss es sein, nicht nur bei den Währungsangaben, sondern bei den Preisen insgesamt - nicht dass es bei der Abrechnung zum bösen Erwachen kommt, weil der dort angesetzte Preis weit über der Preisangabe im Internet liegt. Und aktuell muss auch der Rest sein, von den Veranstaltungstipps bis zu den Öffnungszeiten und Sehenswürdigkeiten. Denn hier kann viel Glaubwürdigkeit und Bemühen um den Kunden transportiert werden oder eben auch verloren gehen.
Fazit
Das Internet verändert die Gewohnheiten. Und wer es versteht, den Interessenten dort abzuholen, wo er gerade steht und ihn schrittweise in die eigene Welt zu führen, ihn freundlich behandelt und ihm das eigene Angebot transparent darlegt, wird aus dem Interessenten seinen Kunden machen. Eine gute Web-Site bringt dem Besucher einen Nutzen - spricht man deshalb nicht auch vom Benutzer? Und aus diesem Nutzen wird es auch einen Rückfluss für den Anbieter geben, ob nun direkt oder auch indirekt.
Das gilt übrigens nicht nur für Web-Sites von Tourismusverbänden…
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